Weißtenoch? Als wir damals keine Singles waren, sondern noch Singles hatten?
(Zur Info: Wer keine/n Freund/in hatte, war “solo”.)
Eine Kleinstschallplatte aus Vinyl mit einem Durchmesser von 7″ (Zoll), die auf einem Plattenspieler mit einer Geschwindigkeit von 45 Umdrehungen pro Minute abgespielt werden musste.
Ein Tonträger, der Musik auf beiden Seiten hatte, dafür auf jeder Seite nur ein Stück und das war nur selten länger als vier Minuten.
Der Held war natürlich die A-Seite. Das war der vermeintliche Hit. Aber nicht selten gab es auch auf der B-Seite wahre Perlen zu entdecken. Und heute ist so manche B-Seite von damals bekannter als die damalige A-Seite.
Bekanntestes Beispiel dafür ist wohl Gloria Gaynors “I will survive”. Das war mal eine B-Seite. Heute ist keine Ü 30-Party vorstellbar ohne diese Hymne der “Menschen in einer Phase der persönlichen Neuorientierung nicht selten mit professioneller Begleitung”, möchte ich das mal vorsichtig nennen, erkennbar daran, dass sie gerne sagen, sie seien “ganz bewusst Singles”. (Aber um jene soll es ja hier nicht gehen …)
Wenn die Plattenfirmen aber auf Nummer Sicher gehen wollten, oder auch keine Lust hatten, dem Kunden zwei Lieder auf einem Tonträger zu verkaufen, klatschte man einfach die Instrumental-Version des Songs hintendrauf. Die Folge waren Parties, wo die Leute die Texte selber gröhlten und was allen einen Heidenspaß machte. Das Wort “Karaoke” gab es da noch nicht in unserem Sprachraum.
Ende der 70er/Anfang der 80 er kamen dann Maxi-Singles auf, die 12″ im Durchmesser hatten, bei denen sich der Plattenteller aber ebenfalls mit 45 U/min drehen musste, wenn man vermeiden wollte, dass alles wie eine schauderhafte Horrofilmvertonung klang. (Der große Bruder war die LP, ebenfalls 12″ im Durchmesser, aber die durfte nur mit 33 1/3 U/min abgespielt werden. Spielte man die mit Singlegeschwindigkeit ab, klang alles wie Micky Maus.)
Singles kaufte man nicht “roh”, sondern in einem sogenannten “Cover”, in ihrem Falle eine an der oberen Seite offenen, quadratischen Papiertüte. Damit gab man sich richtig Mühe. Manchmal zierte dieses Cover nur das Konterfei des Interpreten, aber bisweilen waren es auch wahre Kunstwerke.
Als es mit Ihnen Ende der 70er so langsam zu Ende ging, gab es sogar die Tonträger selbst in bunt, bisweilen sogar mit Fotodruck, was natürlich von den Traditionalisten als Verfall der Werte vor dem Kommerz gegeißelt und ignoriert wurde.
Dennoch: In den 80ern schien dem Publikum das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr zu passen. Vor allem das Aufkommen der CD-ROMs machten dann der Single den Garaus.
Interessant, dass diese Datenträger seit geraumer Zeit mit der Optik von Vinyl-Singles versehen werden. Aber so sehr man an der Optik spielt, es wird immer diese Synästhesie erreichen aus Cover, Haptik und Akustik. Das musste knacksen, ein wenig rauschen, das erst gab dem jeweiligen Lied und auch der jeweilgen Single etwas ganz Besonderes. So klang die Single bei mir anders als bei einem Freund. Das war noch Individualität in der Massenproduktion. Gibt es das heute noch?
Nein, heute gibt es Singles – und wenn man die anhört, das klingt selten gut

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